Union Investment

  • Land: Deutschland

Nachricht vom 23.03.2015 | 10:19

Anleger erkennen Anlagenotstand


Union Investment / Schlagwort(e): Studie

2015-03-23 / 10:19


Studie zum Anlegerverhalten im ersten Quartal 2015:

Anleger erkennen Anlagenotstand

- Die Mehrzahl der Deutschen zweifelt daran, ob sich ihre Geldanlagen derzeit noch lohnen

- Investmentfonds sind erstmals seit Beginn der Erhebung beliebter als Tagesgeld

- Anleger halten mehr liquide Mittel als sie selbst für nötig erachten

Frankfurt, 23. März 2015 - Deutsche Anleger zeigen sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld zunehmend unzufrieden mit ihren Geldanlagen. So hat mittlerweile mehr als jeder Zweite starke Zweifel daran, ob sich seine Geldanlagen überhaupt noch rechnen. Eine Umschichtung des Vermögens hat bisher aber weniger als die Hälfte der Befragten in Betracht gezogen. Dabei ist Handlungsbedarf erkennbar, denn mit ihrer Vermögensstruktur können Anleger die eigenen Ansprüche derzeit nicht mehr befriedigen. Auffällig ist jedoch, dass sich die Einstellung der Sparer zu Geldanlageprodukten wandelt. Investmentfonds werden erstmalig seit dem ersten Quartal 2010 attraktiver beurteilt als Tagesgeld, so das Ergebnis des aktuellen Anlegerbarometers von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt inzwischen 59 Prozent der Deutschen daran zweifeln, ob sich ihre meist zinsbasierten Anlageformen überhaupt noch rentieren. Dieses Gefühl ist dabei um so stärker ausgeprägt, je niedriger das monatliche Nettohaushaltseinkommen ist. 62 Prozent der Anleger mit einem Einkommen unter 2.000 Euro stellen ihre Geldanlagen derzeit in Frage. Bei Finanzentscheidern mit einem Einkommen von 2.000 bis 3.000 Euro sind es 60 Prozent und in den höheren Einkommensklassen (3.000 bis 4.000 Euro/4.000 Euro und mehr) jeweils 57 Prozent. Trotz der aufkommenden Unzufriedenheit der Befragten haben bisher aber nur 46 Prozent über eine Umschichtung ihres Vermögens in höher rentierliche Anlagen nachgedacht. Tatsächlich überprüft haben ihre Geldanlage lediglich 35 Prozent der Sparer. "Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass Anleger die Herausforderung der Minizinsen erkennen, aber überwiegend noch nicht handeln", sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Investmentfonds sind erstmals seit Beginn der Erhebung beliebter als Tagesgeld

Trotz der Zurückhaltung der Anleger hat sich ihre Einstellung zu Geldanlageprodukten verändert. Investmentfonds werden seit dem ersten Quartal 2010 erstmalig attraktiver beurteilt als Tagesgeld. Derzeit halten unverändert im Vergleich zum Vorquartal 31 Prozent der Befragten Investmentfonds für eine gute Geldanlage. Das Tagesgeld hingegen wird von 29 Prozent der Anleger attraktiv bewertet. Damit verliert diese Anlageform seit dem dritten Quartal 2014 kontinuierlich an Zuspruch. Hielten zu diesem Zeitpunkt 43 Prozent das Tagesgeld für eine lohnenswerte Kapitalanlage, war es bei der letzten Befragung lediglich jeder Dritte (34 Prozent). Schaut man weiter zurück belegte das Tagesgeld mit 51 Prozent im ersten Quartal 2013 noch den zweiten Platz der beliebtesten Anlageformen. Investmentfonds landeten damals mit weniger als halb so vielen Stimmen (24 Prozent) auf dem vorletzten Rang. "Im Gegensatz zu Tagesgeld sehen Anleger in Investmentfonds aktuell eine Möglichkeit, der Renditefalle Niedrigzins zu entkommen", erklärt Gay.

Anleger verfügen über mehr liquide Mittel als sie selbst für nötig erachten

Obwohl das Tagesgeld deutlich an Attraktivität verloren hat, haben die Deutschen einen großen Bedarf an täglich frei verfügbaren Geldern. Die Hälfte der Befragten (49 Prozent) glaubt, dass sie jederzeit auf mehr als 20 Prozent ihres angelegten Vermögens Zugriff haben sollte. Dabei wird deutlich, dass die Anleger ihren selbstgesteckten Vorgaben für Liquidität nicht treu sind. Denn sie halten sich mehr Pulver trocken, als sie selbst für nötig erachten. Annähernd jeder fünfte Sparer (18 Prozent) hat nach eigenen Angaben sein komplettes Vermögen täglich frei verfügbar angelegt. Doch nur acht Prozent glauben, dass dies auch erforderlich ist. "Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten. Anleger werden ihre Ziele im jetzigen Niedrigzinsumfeld damit sehr wahrscheinlich nicht erreichen", sagt Gay.

Weiterhin Vorbehalte gegenüber chancenorientierten Anlagen

Die hohe Kassenhaltung der Deutschen ist dabei nicht allein auf kurzfristig ausgerichtete Sparziele zurückzuführen. Denn bei der Vorsorge für das Alter (92 Prozent), beim Thema Kapitalanlage (66 Prozent), beim Sparen für Kinder und Familie (77 Prozent) und beim Kauf von Immobilien (77 Prozent) geben die Befragten einen Anlagehorizont von mehr als vier Jahren an. Vielmehr ist nur jeder fünfte Sparer bereit, für die Aussicht auf höheren Ertrag auch risikoreichere Geldanlagen in Betracht zu ziehen. "Das zeigt, dass Anleger ihre Vermögensplanung langfristiger ausrichten wollen, dies aber offensichtlich nicht tun, da sie immer noch Vorbehalte gegenüber chancenorientierten Geldanlagen haben", sagt der für das Privatkundengeschäft zuständige Geschäftsführer. Entsprechend nehmen die Anleger Fondssparpläne als Ausweg aus dem Dilemma vermehrt wahr, die mit kleinen Schritten den Einstieg in ein strukturiertes Vermögen ermöglichen. So können sich 37 Prozent der Befragten einen Fondssparplan ergänzend zu anderen Anlagen vorstellen. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im letzten Quartal. "Die Deutschen öffnen sich zunehmend dieser Sparform. So haben wir die Marke von einer Million Fondssparpläne Ende Januar 2015 überschritten", erläutert Gay. Als Basisanlage hingegen tun sich die Anleger derzeit allerdings noch schwer: Hier käme ein Fondssparplan nur für jeden Fünften in Frage.

Seit Anfang 2001 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das erste Quartal erhob Forsa die Daten vom 2. bis 10. Februar 2015. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.





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